„Für Frauen, die es erreicht haben, dem gewaltbereiten Familienleben den Rücken zu kehren, bieten sich im kunsttherapeutischen Kontext vor allem ressourcenorientierte Arbeit, sowie Imagina-tionsübungen an.

Kernpunkt ist die Frage: Was kann ich tun, damit es mir besser geht und wer hilft mir dabei?

Foto zu Kreativität im FH 300x226

Eine Ressource ist aufbauend und Energie spendend. Die Imaginationsübungen hingegen ermöglichen es einem, sich einen imaginären Zufluchtsort des Wohlgefühls zu erschaffen.

Mit Achtsamkeitsübungen zu Beginn werden die Klienten auf die kunsttherapeutischen Prozesse eingestimmt. Für einen Aufbau einer therapeutischen Beziehung ergeben sich durch den recht kurzen Aufenthalt der Frauen in der Einrichtung leider weniger Möglichkeiten.

Da die meisten Frauen mit ihren Kindern zusammen im Frauenhaus leben, ist ein gemeinsames Angebot für beide sinnvoll. Diese Rahmenbedingung führt jedoch dazu, dass es aus Rücksicht auf die Kinder an Tiefe fehlt.

Aufgewogen wird dies jedoch durch das gemeinsame Empfinden positiver Erlebnisse von Mutter und Kindern durch die spielerische Beschäftigung mit den gegebenen Aufgaben und den vorhandenen Materialien.“

(Marie-Luise Wankmüller angehende Kunsttherapeutin)

Die Kunsttherapie ist eine nonverbale und prozessorientierte Therapieform, die durch den Einsatz von verschiedenen Medien (Aquarell- und Ölmalerei, Bleistiften und Buntstiften oder durch plastisches Gestalten von Objekten mit Stein, Ton, Gips, Holz oder ähnliches) ihre Anwendung findet.

Sie bietet die Möglichkeit, inneren Bildern, Wünschen, Gefühlen, Bedürfnissen, Vorstellungen oder Erfahrungen Ausdruck zu geben. Anders als bei der Kunst geht es hierbei nicht darum, etwas „Schönes“ herzustellen, sondern sich auf diese Erfahrung und auf das Medium einzulassen und seinem Inneren Form zu geben.

Vielen Frauen fällt dieses Einlassen auf etwas Unbekanntes schwer. Sie meinen „Ich kann nicht gut malen“ oder „ich bin nicht sehr künstlerisch begabt“.

Auch unsere ehrenamtliche Kunsttherapeutin, die einmal wöchentlich in unser Haus kommt, stößt oftmals an ihre Grenzen und an Widerstände der Bewohnerinnen. Dennoch schafft sie es immer wieder, bei einigen Bewohnerinnen und ihren Kindern, etwas im Inneren auszulösen und die Frauen zum Nachdenken zu bringen…

Nach der Einheit geben uns viele Frauen die Rückmeldung „es hat mir gut getan“, „es hat Spaß gemacht“ oder „es ging mir sehr nah, was wir gemacht haben“.

Das Wichtigste bei der Kunsttherapie ist die Kunst sich darauf einzulassen.